Evangelisch
Katholisch
Impressum&Datenschutz

Die Wiese - Anlage und Pflege - von Jürgen Heidorn



Die Gemeindebriefe dieses Jahres sind Natur- und Umweltprojekten gewidmet. Die Beiträge sollen zum Nach- und Mitmachen anregen. Da bietet sich das Thema „Wiese“ an. Denn das Anlegen einer Wiese ist, wenn Sie nach dieser Anleitung vorgehen, sehr einfach und recht preiswert. Und viele von Ihnen besitzen einen Garten, der auch noch Platz für eine Wiese bietet. Die Wiese wird Ihren Garten mit hübschen Blumen und interessanten Insekten – Käfern, Grashüpfern, Schmetterlingen, Wildbienen und anderen - bereichern.
Zur Zeit sind unsere Pfadfinder dabei, einen Teil der Rasenfläche auf dem Gelände der Arche Noah nach der unten beschriebenen Methode in eine Wiese zu verwandeln.

Die Wiese
Die traditionelle Wiese ist eines der vielfältigsten Biotope. Sie ist, wie sie uns als buntblühendes Ideal vorschwebt, ein Ergebnis der klassischen, vorindustriellen Landwirtschaft. Die Römer brachten vor ca. 2000 Jahren die Landwirtschaft in die von ihnen besetzten Gebiete Galliens und Deutschlands. Mit der Ausbreitung der Landwirtschaft Richtung Norden vor gut 1000 Jahren entstanden auch hier die artenreichen Wiesen und prägten bis in die 50er Jahre des 20ten Jahrhunderts das Landschaftsbild, gemeinsam mit Viehweiden und Getreidefeldern, begrenzt durch Knicks und Gräben.
Dank der modernen Landwirtschaft mit Gülle- und Pestizideinsatz sind bunte, artenreiche Wiesen innerhalb der letzten 50 Jahre fast vollständig verschwunden. An ihre Stelle ist das monotone, reichlich gedüngte Grünland getreten.

Die Wiesenarten
Man kann verschiedene Arten der Wiesen unterscheiden:
► Nach dem Nährstoffgehalt: Fettwiesen, Magerwiesen,
► nach der Feuchtigkeit: Feuchtwiesen, Trockenrasen,
► nach dem Kalkgehalt des Bodens – kalkhaltig bis sauer,
► nach der Art der Nutzung: Zur Heu- oder zur Einstreugewinnung. Die meisten Wiesen dienten der Heugewinnung. Bei den wenigen Streuwiesen handelte es sich im Allgemeinen um Feuchtwiesen.
In Norddeutschland gab es viele Fett- und Feuchtwiesen. Die Artenvielfalt der Fettwiesen ist nur wenig geringer als die der (kalkreichen) Trockenrasen.

Die normale Wiese für die Heugewinnung wurde früher zwei- bzw. dreimal im Jahr gemäht. Fettwiesen vertragen die dreimalige Mahd, Magerwiesen die zweimalige. Die Streuwiese wurde lediglich einmal gemäht, und zwar im Spätherbst, wenn die Pflanzen verholzt sind.
Die moderne Landwirtschaft erlaubt, dank Gülledüngung, fünf- bis sechsmalige Mahd pro Jahr. Bei dieser Art der Wiesenbewirtschaftung sterben die meisten Wiesenbewohner aus. Denn sie vertragen weder die Gülledüngung, noch die häufige Mahd, und schon gar nicht die Pestizide, die zusätzlich ausgebracht werden. Auf modernen Wiesen wachsen ausschließlich sehr stickstoffunempfindliche Pflanzen, die auch den häufigen Schnitt vertragen.

Eine Wiese anlegen
Naturschutzbehörden und andere professionelle Institutionen setzen auf großen Flächen meistens Maschinen ein, um den Umwandlungsprozess von überdüngter, artenarmer Wirtschaftswiese in eine artenreiche Wildwiese zu verkürzen: Vor dem Säen wird i.A. gepflügt und geeggt. Gegebenenfalls wird die Bodendecke ausgetauscht.
Vorteile: Es geht schnell; die Neuansaat kann auflaufen ohne durch vorhandene Pflanzen behindert zu werden.
Nachteile: Die Maßnahme ist teuer und arbeits- bzw. maschinenaufwändig; Bodenlebewesen werden massiv geschädigt.

In den vorbereiteten Boden werden dann Wiesenpflanzen gesät. Auch einjährige Blumen werden eingesät, damit schon im ersten Jahr der Eindruck einer Wiese entsteht. Einjährige Pflanzen, wie z.B. die gern genutzte Kornblume und der Klatschmohn haben auf der Wiese allerdings keine längerfristigen Überlebensmöglichkeiten. Sie sind an den Bearbeitungsrhythmus eines Getreidefeldes angepasst. Auf der Wiese werden sie schnell von anderen Pflanzen verdrängt.

Wenn Sie im Internet nach Anleitungen zum Anlegen einer Wiese suchen, werden Sie feststellen, dass auch für den Privatgarten sehr arbeitsintensive und teure Bodenvorbereitungsmaßnahmen empfohlen werden.
Aber Sie können es auch wesentlich einfacher haben, wenn Sie eine Rasenfläche zur Wiese umgestalten wollen: Auf einer ca. 4000 qm großen Grasfläche habe ich vor 10 Jahren mit dieser Methode begonnen und sie bei einigen anderen Projekten eingesetzt.
An verschiedenen Stellen der Wiese bilde ich einzelne „Wildblumeninseln“. Dazu steche ich mit dem Spaten jeweils Grassoden ab, drehe sie um und säe Wildblumen ein und trete die Erde fest. Will ich vorgezogene Pflanzen setzen, lockere ich den Boden unter den ausgestanzten Flächen auf, setze die Pflanzen ein und drücke die Grassoden wieder daneben. Von diesen Inseln aus verbreiten sich die Pflanzen mit der Zeit auf der Wiese.
Die Wiese muss nicht bereits im ersten Jahr ihre endgültige Ausdehnung erfahren. Sie können mit einem kleinen Areal beginnen und die Wiese über die Jahre vergrößern. Bei ausreichender Größe der Wiese können Sie dann auch typische Wiesengräser einsäen. Man kann mit anspruchslosen Blumen beginnen, wie z.B. Wiesen-Witwenblume, Wiesen-Margerite, Großem Wiesenknopf, Roter Lichtnelke, Mutterkraut, Rainfarn, Natternkopf, verschiedenen Glockenblumenarten. Diese Arten eignen sich für normalen Gartenboden. 1-2 Pflanzen, bzw. 2 g Saat pro qm genügen.
Eine nicht überdüngte Rasenfläche muss sicherlich nicht extra durch Sand ausgemagert werden.

Wenn man der Wiese eine „dritte Dimension“ gibt, indem man vereinzelt Bäume (z.B. Hochstammobstbäume) pflanzt und/oder die Wiese mit einem Knick begrenzt, schafft man Lebensraum für weitere Tiere. Auf einer Obstwiese mit Hochstammobst sollte der Abstand zwischen den einzelnen Bäumen ca. 10 m betragen.
Der Artenreichtum einer Wiese lässt sich erhöhen, indem unterschiedliche Standortbedingungen geschaffen werden: Schattige Stellen – sonnige Bereiche; feuchte Senken – erhöhte, trockenere Bereiche.
Bäume und Hecken erzeugen Schatten – und bieten Waldschattenpflanzen, wie zum Beispiel den Buschwindröschen oder dem Waldmeister, einen Standort.
Eine weitere Bereicherung der Wiese ist ein Teich – und wenn er noch so klein ist. Denn der Teich lockt Frösche und andere Amphibien an. Er dient den Vögeln und kleinen Säugetieren als Tränke und als Waschplatz. An tiefergelegenen Teilen einer Wiese, die möglichst einen lehmigen Untergrund haben sollten, lassen sich feuchtigkeitsliebende Pflanzen wie Wiesenschaumkraut, Schachbrettblume, Kuckuckslichtnelke, Blutweiderich, Beinwell und Gilbweiderich ansiedeln.

Die Pflege der Wiese Die wahrscheinlich einzige Maßnahme zur Pflege der Wiese ist das Mähen mit anschließendem Entfernen des Mahdgutes. Das Mähen ist aus zwei Gründen wichtig: Erstens verhindert man mit dem Mähen die Ausbreitung von Bäumen und Sträuchern, beziehungsweise Röhricht; zweitens arbeitet man der Überdüngung der Wiese entgegen. Dazu muss man das Schnittgut allerdings von der Wiese abräumen. Möglicherweise können Sie ganz auf das Mähen verzichten – wenn Sie nicht an einer Magerwiese interessiert sind und wenn Sie Schösslinge von Bäumen und Sträuchern mit der Hand entfernen. Hin und wieder sollte die Wiese auf unerwünschte Arten untersucht werden: Jakobskreuzkraut, Riesenbärenklau und andere potenziell gefährliche Pflanzen sollten beseitigt werden, bevor sie sich zu sehr verbreiten. Traditionelle Mahdtermine sind: Bei zweimaliger Mahd ab ca. 24. Juni (um Johanni) und dann ab Mitte August. Bei dreimaliger Mahd kam noch eine Mahd Mitte Oktober hinzu. Die dreimalige Mahd war nur bei besonders nährstoffreichen Wiesen möglich. Die Wiesenpflanzen sind optimal an diese Mahdtermine angepasst: Wiesenpflanzen haben entweder bereits vor der Mahd Samen ausgebildet oder sie kommen nach der Mahd erneut zur Blüte. Außerdem sind die Wiesenpflanzen in der Lage, sich aus Rhizomen, Wurzelausläufern oder Zwiebeln zu regenerieren und auch zu vermehren.
Auf der Wiese herrschen mehrjährige Arten vor, auf dem Acker die einjährigen.

Das Mähen
Heute wird auf kleinen Flächen im Allgemeinen mit der Motorsense gearbeitet. Doch das Mähen mit der Handsense bietet einige Vorteile: Beim Arbeiten mit der Handsense wird das Mahdgut automatisch in langen Reihen aufgeschichtet. Die Arbeit mit der Handsense strengt die Muskeln an, die Motorsense hingegen belastet den Halteapparat. Und die Handsense ist natürlich umweltfreundlicher (lange Lebensdauer, kein Spritverbrauch, keine Abgase, weniger Lärm).

Es ist von Vorteil für die Pflanzen, die Insekten und andere Wiesenbewohner, wenn nicht alles ganz sauber tief unten abgeschnitten wird, sondern wenn auch einmal einige Pflanzen etwas länger bleiben dürfen.
Wer noch mehr für die Tiere tun will, der mäht nicht alles auf einmal, sondern lässt einige Bereiche für die nächste Mahd stehen. Man kann die Wiese aufteilen: Ein Teil wird im Juni gemäht, ein Teil im August und ein Teil im Oktober. Man sollte dann jedes Jahr denselben Teil der Wiese zur selben Zeit mähen. Denn es kann sein, dass einige Wiesenbewohner an bestimmte Mahdtermine angepasst sind.
Das Mahdgut lässt man am besten einige Tage liegen – eventuell wendet man es zwischendurch. Dann können Pflanzensamen herausfallen und für die Blütenvielfalt des kommenden Jahres sorgen.

Leider haben Gartencenter i.A. keine heimischen Wiesenpflanzen im Angebot.

Bezugsquellen für Wiesensaat:
Wiesenmischungen aus dem Gartenmarkt oder vom Discounter sind nicht geeignet. Sie enthalten viele nicht-standortgerechte Samen. Die Herkunft der Saat ist unbekannt.
„Gebietsheimische“ Wiesensaat mit Herkunft aus bestimmten Regionen (sog. Regiosaat / Region 1 ist die nordwestdeutsche Tiefebene) erhalten Sie bei:
Saaten Zeller – nur Wiesenmischungen, Mischungen für verschiedene Bodenarten und Anwendungsbereiche;
Rieger-Hofmann – Einzelsaaten vieler verschiedener Arten und Wiesenmischungen, Mischungen für verschiedene Bodenarten und Anwendungsbereiche;
bluetenmeer-gmbh.de, Standort Eggebek.

Bezugsquellen für heimische Pflanzen:
Trifolia Rellingen;
bluetenmeer-gmbh.de, Standort Klappholz;
Naturagart.de: Wasserpflanzen und Pflanzen für den Teichrand bzw. die Feuchtwiese (heimische, aber keine gebietsheimischen Pflanzen);
www.warande.de /starkezwiebeln.de: Zwiebel- und Schattenbereichspflanzen, Stinsenpflanzen (heimische, aber keine gebietsheimischen Pflanzen).
Weitere Anbieter finden Sie im Internet.

Samen und Pflanzen sollten immer anhand des lateinischen Namens gekauft werden, damit es nicht zu Verwechslungen kommt.

Rufen Sie mich gerne an, ich unterstütze Sie bei der Beschaffung von Pflanzen und Saat, z.B. durch Sammelbestellungen:
Jürgen Heidorn, 04101/40 41 55 oder info@naturtag-halstenbek.de
Und besuchen Sie den Naturtag Halstenbek am 8.5. von 10-13 Uhr – sofern die Corona-Situation es zulässt. Dort können Sie Pflanzen erstehen und Informationen austauschen.