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Heimatküche



Mein Berliner Lieblingsgericht

Manchmal denke ich an meine Kindheit in Berlin zurück. Durch die damalige Blockade/Teilung verlor mein Vater seine Arbeit und wir waren gezwungen, uns sehr einzuschränken. Gott sei Dank hatten meine Eltern einen Garten in Ostberlin, den wir weiterhin, obwohl wir im Westen lebten, bearbeiten durften. Wir als Laubenpieper konnten aus dem Schrebergarten viel Obst, Gemüse und Kartoffeln ernten, oft genug wurden Obst und Gemüse gegen andere Naturalien getauscht. Um gute Ergebnisse zu erreichen, war auch eine Düngung notwendig. Wir sammelten in einem Eimer Pferdeäpfel von der Straße, die per Fahrrad 15 km bis zum Garten transportiert wurden. Dieses Einsammeln der frischen Pferdeäpfel war für mich als Kind „der Horror“, aber unser Gemüse dankte es uns.

Im Rückblick auf meine Kindheit und den Garten kommen mir einige Gerichte hoch, die ich gar nicht essen mochte:
► Aus Euter (ganz billig) wurde erst eine Brühe gekocht und dann wurde Euter gebraten. Ich könnte mich heute noch schütteln!
► Brotsuppe war auch nicht mein Lieblingsessen und zum Abgewöhnen.
► Teewurst gab es reichlich, weil billig.
► Der Eierkuchen meiner Mutter war mit viel zu viel Mehl versehen, die Milch wurde mit Wasser verdünnt und es wurde an Eiern sehr gespart.

Aber ich habe auch Lieblingsgerichte. Buletten oder Klopse etwa. Ein unbekannter Berliner Dichter schrieb darüber:

Ick sitze da und esse Klops.
Uff eenmal kloppt’s.
Ick kieke, staune, wundre mir –
uff eenmal jeht se uff, die Tür.
Nanu denk ick,
ick denk‘ nanu, jetzt isse uff,
erst war se zu?
Ick stehe uff und kieke –
und wer steht draußen? – Icke!


Zu meinen Lieblingsgerichten zählen auch Quetschkartoffeln, Sauerkraut und gebratene Blutwurst. Leider bekommt man die Berliner Blutwurst hier nicht zu kaufen. Alternativ gibt es eine schmackhafte Wellwurst, zu kaufen z.B. bei der Landschlachterei Schmidt in Kummerfeld. Nach Besuchen in Berlin bringe ich aber regelmäßig die „echte“ Blutwurst mit.

Für die Quetschkartoffeln nimmt man gekochte Salzkartoffeln, 1/4l heiße Milch und 40g Butter. 750g Sauerkraut erhitzt man in 1/8l Wasser, dazu 30g Schmalz, 1 kleine Zwiebel, 2 Äpfel, dazu Zucker, Salz und Kümmel nach Geschmack.

Einmal pro Woche gab es ein süßes Gericht. Bei uns waren es Kartoffelpuffer. Tipp: In Berlin werden Kartoffelpuffer ausnahmslos heiß serviert und mit Zucker bestreut, als Beigaben sind Apfelmus und Kaffee ein absolutes Muss! Das Zurückdenken an die Berliner Gerichte lässt meine Berliner Kindheit sehr stark hochkommen. Sie war trotz aller Schwierigkeiten der damaligen Zeit dennoch eine schöne Zeit und ich erinnere mich gerne daran zurück.

Gerda Biermann