Evangelisch
Katholisch
Impressum&Datenschutz

Glauben und Zweifeln



Persönliche Gedanken in Zeiten von Corona
(geschrieben am 23. Dezember 2020)


Das Fehlen näherer Kontakte mit Umarmungen, längeren Gesprächen, gemeinsamen Essensabenden oder gemeinsames Sporttreiben, Singens etc. fehlt mir am meisten. Ich brauche Beziehungen, um seelisch zu atmen! Dieser verdammte Virus hat mit bewusst gemacht, wie wichtig mir soziale Nähe ist. Um in dieser Dauerisolation hilfreiche, sinngebende „Brücken“ zu bauen, habe ich z.B. an einen freiwilligen Aufenthalt in einer Eremiten- oder Klosterzelle gedacht, um die Assoziation an eine Gefängniszelle zu vermeiden. Jedoch habe ich wegen der ängstigenden Gedanken zu Corona-Bedrohungsthemen häufig zu wenig seelische Kraft zur Meditation und hoffnungsgebenden Gottessuchen.

Aber dennoch bemühe ich mich, auch dieser Lebenszeit einen Sinn zu geben, denn ich will meine verbleibenden Lebensjahre, ich bin 78 Jahre alt, nicht mit Angst, Hoffnungslosigkeit und totalem Rückzug verbringen. So bemühe ich mich, die anfallenden Spontankontakte bei Böge, Aldi, Schlüter, Theegen etc. mit großer emotionaler Offenheit zu gestalten und etwas Privates, Zwischenmenschliches aus den Begegnungen mitzunehmen. Diese Erlebnisse teile ich dann meiner Ehefrau mit, die gleichermaßen verfährt. So haben wir ein tröstliches, aufbauendes Gesprächsthema bei unseren gemeinsamen Frühstücks-, Mittags-, und Abendessen. Diese Termine haben im Übrigen eine größere Bedeutung bekommen, als vor der Corona-Zeit.

Einen großen sinngebenden Charakter haben auch die regelmäßigen Spiel- und Begegnungskontakte mit unseren zwei- und sechsjährigen Enkelkindern und deren Eltern. Dieses Ansteckungsrisiko gehen wir ein, weil wir uns nicht ganz der Angst hingeben wollen: denn irgendwie und irgendwann muss man auch für ein mutiges und liebevolles Leben „Flagge zeigen“. Das Spielen mit den jungen Kindern und das Eintauchen in ihre bejahenden und momentzentrierte Erlebniswelt befreit mich und meine Frau zumindest für den Augenblick von Krankheits- und Zukunftsängsten. Es hat eine geistig befreiende und lebensbejahende Funktion.

Des Weiteren fällt mir auf, dass ich weniger sachlich und kognitiv denke, sondern gefühlsbetonter. Das sehe ich auch daran, dass ich mehr in der Natur bin, Musik höre, Bilder male, Gedichte lese oder meine Umwelt fotografiere. Die aufgenommenen Bilder mische ich dann in Computercollagen so durcheinander, dass sie mit meinen Urlaubs- und Jahreszeitenbildern aus Halstenbek und Umgebung kontrastierend neben- und hintereinander stehen. So wird Halstenbek im Winter mit Halstenbek im Frühling oder Herbst kombiniert, durchmischt mit Venedigbildern oder Alpenfotos. Damit viele Menschen in den Collagen auftauchen, mische ich Kinder- und Familienfotos mit lachenden Selfies und ganz vielen Blumenbildern zusammen.

So verbringe ich viel Zeit in meinem Büro- und Malstudio und warte auf den Frühling und die längeren Sonnentage.

Stefan Schmidtchen


Glauben und Zweifeln

Glauben und Zweifel sind zwei Dinge, die zusammengehören und uns auch zusammen bringen. Viele Menschen zweifeln z.B. an der Kirche. Auch ich tat dies. Ich ging zwar gerne zur Kirche, auch schon als kleines Kind, aber mir war dennoch unklar, wieso eigentlich. Nun ist es mir klarer geworden. Vielen Menschen geht es nicht nur um den Glauben, es geht ihnen um die Gemeinschaft. Es geht ihnen darum, zu wissen, dass da jemand ist, der deinen Glauben und deine Zweifel teilt. Einige Menschen brauchen dieses Gefühl von Geborgenheit und Gemeinschaft mehr als andere, aber am Ende braucht es jeder.
Das ist auch einer der wichtigsten Gründe für mich, wieso ich in dieser Gemeinde meine Konfirmation feiern werde, welche auf Grund von Corona bisher verschoben wurde.
Es ist das Wissen, dass immer jemand da ist. Und dies zeigen die kleinen Dinge, wie das Begrüßen bei den Gottesdiensten oder den Veranstaltungen zur Adventszeit.
Vor allem jetzt in der Coronazeit ist das wichtig! Besonders die älteren Menschen werden viele Zweifel haben und sich vermutlich etwas einsam fühlen, aber der Glaube und die Gemeinde geben ihnen Kraft. Und vermutlich ist das einer meiner Zweifel. Was wäre, gäbe es diese Gemeinschaft nicht? So schrecklich dies auch wäre, mir ist bewusst, dass es nicht so weit kommen könnte, da uns etwas stärkeres verbindet, unser Glaube. Ich glaube zwar auch nicht alles, was in der Bibel steht, da auch dort vieles für mich einfach nicht nachvollziehbar ist. Ich weiß aber, dass das in Ordnung ist, da nicht jeder alles glauben muss und in dieser Gemeinde trotzdem alle respektiert werden.
Es gibt Momente, in denen vermutlich jeder schon einmal an allem gezweifelt hat, als Folge schlimmer Ereignisse, die einem widerfahren sind. Auch ich zweifle momentan viel. Corona ist ein Thema, was man kaum noch zu hören mag, dennoch ist es leider da und ernst zu nehmen.
Ich denke, wir sollten nicht vergessen, dankbar für alles zu sein. Besonders für die kleinen Dinge, die uns sonst als selbstverständlich vorkommen, wie das Treffen mit Freunden jeden Tag oder die Zeit, die man mit der Familie verbringt. Teilweise ist das nun schwierig oder auch gar nicht möglich.
Ich frage mich aber, wieso dies alles passiert? Wieso müssen unschuldige Menschen schwer erkranken und teilweise sogar sterben? So viel ich auch nachdenke, mir fällt keine gute Erklärung ein, wieso dies alles geschieht. Ich glaube auch, in dieser schweren Zeit steigt die Sorge um die Liebenden und die Angst vor Verlust. Aber was ich weiß ist, dass am Ende Beten und Willenskraft einen stark machen und Halt geben. Ich denke, dass vieles vermutlich nie erklärt werden kann, so sehr wir auch beten und glauben. Ich glaube aber auch, dass Gott uns hilft, so gut er kann und alles seine, vielleicht manchmal unergründlichen Gründe hat. Ich weiß, dies sind wieder Gegensätze, aber der Glaube ist nun mal eine Sache, die man für sich selber entdecken und erforschen muss. Für andere bleibt er unbeschreiblich.
Mein Glaube besteht in Hoffnung und Unterstützung. Im Konfirmandenunterricht erfuhr ich auch noch mehr über die Bibel und ihre Erzählungen. An manchem zweifle ich immer noch, doch mir ist klar geworden, so seltsam die Erzählungen einem auch erscheinen mögen, es geht um den übertragenen Sinn und was wir Menschen daraus lernen sollten. Dieses Wissen wird mich vermutlich immer begleiten, denn es bestärkte mich auch in meiner Sicht, dass Menschen nicht sind, wie sie sich nach außen zeigen. Entscheidend ist ihr Inneres.
Am Ende des Tages glaube ich, dass wir alle gleich sind. Wir haben Zweifel und Glauben. Wir haben Probleme und Ängste. Wir leben jeden Tag mit Stress und sollten versuchen, das Leben zu leben, wie wir es wollen, denn häufig kommen Zweifel erst, wenn wir zu viel nachdenken und uns Sorgen machen.

Estella Maria Raquel da Silva Lopes, 14 Jahre alt