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Geistliches Wort



Liebe Gemeindeglieder, liebe Halstenbekerinnen und Halstenbeker,

vieles ist anders in diesen Tagen, als wir es kennen. Seit Mitte März sind immer schärfere Maßnahmen eingeleitet worden, um die Ausbreitung des Coronavirus in unserem Land zu verlangsamen. Bis auf weiteres gilt eine Kontaktsperre.

Dies hat weitreichende Auswirkungen auf das öffentliche Leben. Kitas und Schulen sind geschlossen, die meisten Geschäfte ebenfalls, auch Konzerte und kulturelle Veranstaltungen finden nicht statt.
Gottesdienste und kirchliche Veranstaltungen können ebenfalls nicht stattfinden und müssen aufgeschoben werden. Das heißt jedoch nicht, dass nichts passiert. Deshalb wenden wir uns mit dieser Sonderausgabe des Gemeindebriefes an Sie, um deutlich zu machen: Als Kirche sind wir weiterhin vor Ort und für Sie da!

Die Erlöserkirche ist täglich von 10 - 20 Uhr für Besinnung, Gebet und zum Entzünden einer Kerze geöffnet. Immer um 12 Uhr läuten unsere Glocken und laden ein zum Gebet. Aber vor allem sind wir als Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Kirchengemeinde weiterhin für Sie da und haben ein offenes Ohr. Wir versuchen, mit unseren Gruppen, den Kindern, Konfirmanden und Konfirmandinnen, Ehrenamtlichen, Pfadis oder Senioren und Seniorinnen weiterhin so gut es geht in Kontakt zu bleiben - nun aber eben v.a. telefonisch, per Brief, Email oder über soziale Medien.

Wenn das Leben uns vor solche gravierenden Herausforderungen stellt, dann hat das nicht nur Einfluss auf unser soziales und berufliches Leben, sondern auch Einfluss auf unsere Beziehung zu Gott. Fragen werden laut, wieso das alles so kommen musste. Ärger und Sorge verschaffen sich Raum, Hoffnungen auf ein baldiges Ende melden sich.

Für ältere Menschen stellt sich die Frage: Was, wenn die Krankheit mich ereilt? Wie wird mein Körper so eine Herausforderung bewältigen? Wird die Krankheit mein Leben verkürzen? Wie werden meine Freundinnen und Freunde durch diese Zeit kommen? Viele jüngere Menschen machen sich Gedanken um ihre Arbeitsplätze. Wie werden die Unternehmen durch die Krise kommen? Wie wird es weitergehen? Selbständige sorgen sich in Verantwortung für sich, ihre Familien und Angestellten.

Beim Umgehen mit der Krise hilft vielen Menschen, zu Gott zu sprechen, still, leise oder auch hörbar anzusprechen, was sie empfinden. Beten ist eine Möglichkeit. Eine gute Möglichkeit. Beten hilft uns beim Nachfühlen und Nachsinnen wie es uns ergeht. Gott dürfen wir uns zumuten, so wie wir sind, mit all unseren Ängsten und unseren Hoffnungen.

Ausgesprochene Bedürfnisse, laut oder leise, entlasten uns, geben uns neue Perspektiven und finden Gehör bei Gott. Menschen beten für sich, um sich Luft zu machen, für andere, um die wir uns sorgen, für die, die jetzt Unglaubliches leisten, weil sie im Gesundheitssystem arbeiten, uns mit Lebensmitteln versorgen oder die Infrastruktur sicherstellen.

In der Bibel finden sich auch Beispiele für Gebete, zum Beispiel in den Psalmen. Wer die Psalmen liest, bekommt mit, wie Menschen unter persönlichen oder gesellschaftlichen Krisen gelitten haben und daraufhin ihren Gefühlen im Gebet Ausdruck gegeben haben: Sie haderten mit Gott, sie klagten ihn an und forderten nachdrücklich sein Eingreifen in schwierigen Lagen. Liest man weiter in den Psalmen, dann kann man jedoch auch wahrnehmen, wie sich die Stimmung wandelt. Auf Worte der Unsicherheit und Sorge folgen Worte der Vergewisserung und Hoffnung. So etwa im Psalm 22: „Auf dich bin ich geworfen von Mutterleibe an, du bist mein Gott.“ Im Psalm 145 heißt es: „Der HERR ist nahe allen, die ihn anrufen, allen, die ihn mit Ernst anrufen.“

Zu Gott sprechen kann man überall. Wenn die Kirchenglocken derzeit jeden Tag um 12.00 Uhr zum Gebet einladen, tut es gut zu wissen, dass viele Menschen zur gleichen Zeit beten. Manche beten auch gern an Orten, an denen sie sich Gott näher fühlen, wie z.B. in der Natur oder in der Kirche.

Wir brauchen Hoffnung in die Zukunft hin. Jede und jeder hat ganz persönliche Vorstellungen für die Zukunft, auf die man hofft. Als Christinnen und Christinnen haben wir eine lebendige Hoffnung. Diese Hoffnung stellt den Kern des Osterfestes dar: Gott ist bei uns und das Leben, auch da, wo es verbunden ist mit Leiden, ist stärker als der Tod!

Als Zeichen dafür haben die Konfirmandinnen und Konfirmanden etwas vorbereitet. Wenn Sie Ostern in der Erlöserkirche oder der Arche Noah vorbeikommen, so finden Sie kleine Kerzen mit Segenssprüchen zum Mitnehmen. Sie können diese Kerzen an der Osterkerze entzünden und mit nach Hause nehmen. Vielleicht mögen Sie, weil es dieses Jahr nicht anders möglich ist, eine Osterandacht zu Hause feiern. Dafür sind in diesem Gemeindebrief ein paar Texte abgedruckt, die zur persönlichen Besinnung einladen.

Ich hoffe, dass uns diese Krise auch stärker macht. Wir besinnen uns neu auf das, was wirklich zählt. Darüber hinaus entdecken wir Hilfsbereitschaft um uns herum, die wir nie vermutet hätten. Wir lernen vielleicht digital dazu und führen am Telefon berührende Gespräche, auch wenn wir körperlich Abstand halten. In manchen Gesprächen, die ich geführt habe, ging es auch darum, was dann, nach der Krise hoffentlich wieder möglich sein wird: der Arbeit wie gewohnt nachgehen dürfen, Tanzen, Konzerte besuchen, Reisen, Freunde treffen, im Café sitzen, gemeinsam Gottesdienste feiern.

Hoffnung, die sich verzögert, ängstigt das Herz; wenn aber kommt, was man begehrt, das ist ein Baum des Lebens. (Sprüche 13, 12)

Ein gesegnetes Osterfest und Gesundheit wünscht Ihnen, auch im Namen meiner Kollegen und Kolleginnen in der Kirchengemeinde,

Ihre
Pastorin Katja Rogmann