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Geistliches Wort



Liebe Leserinnen und Leser,

aus irgendwelchen Gründen wache ich in diesen Tagen immer sehr früh auf. Ich liege dann ab 4, 5 Uhr wach und kann nicht wieder einschlafen - obwohl es draußen noch dunkel ist, man sich eigentlich gerne noch im Winterschlaf befinden möchte und das eigene Bett der schönste Ort der Welt sein sollte. Dann kreisen die Gedanken. Manchmal einfach so um die Dinge, die zu tun sind und die liegengeblieben sind; manchmal um Probleme oder Sorgen. Und immer wieder die ärgerlich-anklagende Frage: Himmelherrgottnoch-
mal, warum schlaf ich nicht wieder ein? Ich habe doch Urlaub und müsste nirgendwo hin!
Dann bleibt nicht viel anderes übrig, als Youtube-Videos auf dem Smartphone zu schauen oder das Internet anderweitig nach interessanten, meist weniger interessanten Beiträgen zu durchforsten. Aus der Not mache ich nun eine Tugend - und stehe einfach auf! Nützt ja nichts!
Stockdunkel ist es dann noch, wenn ich nächtlich mit dem Hund durch Krupunder gehe. Regnerisch auch, aber zumindest in diesem Winter nicht kalt.
Einerseits hoffe ich, dass mein Schlafrhythmus einmal wieder anders wird. Aber andererseits: frühmorgens, noch nachts aufzustehen kann auch wunderschön sein! Die Welt steht noch still und in das „Normale“, der Alltag ist weit entfernt. Und was habe ich in den letzten Wochen, trotz Regen und Wetter, für wunderschöne Tagesanbrüche gesehen...
Ich sehe aber auch, wie viele Menschen, ein klein wenig später zumindest, ebenfalls das Haus verlassen. Langsam, etwas geknickt und gebeugt sind sie auf dem Weg zur S-Bahn, dann zur Arbeit. Die Arbeit kann verdammt früh anfangen! Ein Blick für die Schönheit des anbrechenden Morgens, für die sich vereinzelnd durchkämpfenden Sonnenstrahlen hat da kaum jemand, wie mir scheint. Wie auch? Das „Normale“, der Alltag ist ja eben nicht weit weg, wenn die Lohnarbeit ruft.

Kann man den Tag dann trotzdem gut starten? Vielleicht versucht man es einmal mit singen. Ein wunderschönes, altes Morgenlied steht in unserem evangelischen Gesangbuch. Dort heißt es: „Morgenglanz der Ewigkeit, Licht vom unerschaffnen Lichte, schick uns diese Morgenzeit deine Strahlen zu Gesichte und vertreib durch deine Macht unsre Nacht.“

Morgenlieder der Kirche besingen das Wunder, dass der Tag wieder anbricht. Aber es wird eben nicht nur ein Naturphänomen besungen, sondern auch, so nenne ich es mal, der eigene, innere Tag. Udo Jürgens textete das so: „Und immer immer wieder geht die Sonne auf!“ – das Leben geht weiter. Im Gesangbuch heißt es: „... und vertreib durch deine Macht unsre Nacht.“
Vielleicht ist das ein guter Ratschlag für eine gesunde Lebensweise: Wenn man schon so früh hoch muss, wenn es schon draußen so dunkel ist, dann soll es bei uns doch nicht so sein. Sorgen, kreisende Gedanken, Genervtheit – vielleicht kann man das wegsingen?
Das klappt wohl nicht immer, aber hier und da dann sicher doch einmal. Und wenn man mehr oder weniger alleine unterwegs ist und dieses Lied (am Besten nur diese eine Strophe, sie ist die Schönste) singt, hört einen ja auch niemand, was bei mancheinem ja ganz gut ist.
Und dann: „... und vertreib durch deine Macht unsre Nacht!“

Einen guten Morgen wünscht Ihnen
Ihr Pastor Malte Lei