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Notfallseelsorge: Erste Hilfe für die Seele





Die meisten Menschen machen mindestens einmal in ihrem Leben einen Erste-Hilfe-Kurs: die stabile Seitenlage wird geübt und was zu tun ist bei Herz- oder Atemstillstand.
Nach einem Unfall Erste Hilfe zu leisten bis der Krankenwagen und Notarzt oder Notärztin da sind, kann ein Leben retten oder zumindest Schlimmeres verhüten.

Schlimmeres verhüten will auch die Notfallseelsorge. Auch wenn ein Mensch, zu dem eine Notfallseelsorgerin oder ein Notfallseelsorger kommt, gerade das Gefühl hat, dass es sowieso nicht schlimmer kommen kann. Weil das Schlimmste schon passiert ist und es sich anfühlt, als wenn der Boden unter den Füßen weggezogen ist. Der Schock ist groß, wenn ein nahestehender Mensch ganz plötzlich gestorben ist.
Über die Feuerwehr 112 wird in so einer Situation die Notfallseelsorge alarmiert - in der Regel ist das ein Pastor oder eine Pastorin - die möglichst schnell ins Haus kommt und den betroffenen Menschen beisteht. Es geht darum das Unfassbare, die Trauer und die Verzweiflung mit auszuhalten, den Menschen zuzuhören und sie zu beruhigen und zu stabilisieren. Gemeinsam zu überlegen, wer und was hilfreich sein kann, um durch die nächsten Stunden und Tage zu kommen.
Und es geht darum einen Abschied von dem verstorbenen Angehörigen möglich zu machen. Da wo Worte fehlen und es keinen Trost zu geben scheint, spricht ein Abschiedsritual oft auch ohne Worte. Eine Kerze kann angezündet, ein Psalm vorgelesen, ein Gebet gesprochen, ein kleiner Engel mit auf die Reise gegeben oder ein Segen gesprochen werden, mit dem der Wunsch ausgedrückt wird, dass der bzw. die Verstorbene durch die Dunkelheit ins Licht kommt und von der göttlichen Kraft mit zärtlichen Händen aufgefangen wird.
In der oft chaotischen Situation gibt ein Abschiedsritual Orientierung und hält trotz der Erfahrung von Sinnlosigkeit an der Würde des Lebens fest. Und es kann Halt geben, wenn der Boden unter den Füßen wankt.

Neben der Begleitung von Angehörigen zu Hause haben einige Pastor*innen sich zusätzlich qualifiziert für Einsätze im öffentlichen Raum. Nach einem Verkehrsunfall benötigen Unfallbeteiligte und Augenzeug*innen Unterstützung, um den ersten Schock zu überwinden und sich ihre Eindrücke „von der Seele" reden zu können. Sie brauchen jemanden an ihrer Seite, damit sie sich in dem Chaos an einem Unfallort nicht allein gelassen und verloren fühlen. Besonders die Begleitung von Unfallverursachern ist eine große Herausforderung, denn dann kommt zu dem Schock noch die Beschäftigung mit der eigenen Verantwortung dazu. Es ist schwer, damit fertig zu worden, wenn durch eigene Fahrlässigkeit oder Unvorsichtigkeit andere Menschen zu Schaden gekommen sind.

Ein schwerer Gang für die Polizei ist es immer, wenn sie eine Todesnachricht überbringen muss. Eine Notfallseelsorgerin oder ein Notfallseelsorger kann sie begleiten und bei den Angehörigen bleiben und für sie da sein in diesem großen Schreck.

Für die Evangelische Kirche ist die Notfallseelsorge gelebte Nächstenliebe: zu den Menschen zu kommen, die in Not geraten sind, die gerade dringend Unterstützung brauchen, und mit ihnen zusammen die nächsten Schritte zu gehen, die „notwendig" sind. Um zu gewährleisten, dass jederzeit, Tag und Nacht, ein/e Seelsorger/in gerufen werden kann, übernehmen Gemeindepastor*innen für eine Woche die Rufbereitschaft. Sie bekommen einen Meldeempfänger, durch den die Leitstelle der Feuerwehr sie erreichen kann und sie lassen alles stehen und liegen, wenn ein Alarm kommt. Sieben ganze Tage Bereitschaftsdienst ist anstrengend und manchmal auch nervenaufreibend. Aber nur weil alle mithelfen, können wir diesen Dienst anbieten. Die vielen positiven Rückmeldungen und die Erfahrung Menschen in großer Not weiter helfen zu können, machen Mut sich dieser Herausforderung zu stellen.

Margrit Sierts
Pastorin für die Notfallseelsorge
im Kirchenkreis Hamburg-West/Südholstein
Tel: 0177 73 86 881
Margrit.sierts@kirchenkreis-hhsh.de