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Ausstellung „Halstenbeker Fluchtportraits“



Anlässlich der interkulturellen Woche entstand eine Ausstellung mit sechs Portraits von Halstenbeker Bürgern mit Fluchtgeschichte. Für die Flucht waren verschiedene geschichtliche Hintergründe die Ursache.

Die Geflüchteten kamen in der Nachkriegszeit aus der DDR (Vorpommern, Sachsen, Magdeburg) und vor ca. drei Jahren aus Eritrea, Iran und Irak. Entwickelt wurde die Ausstellungsidee von einer kleinen Arbeitsgruppe, bestehend aus Kristina Wottrich, Integrationsbeauftragte, Frau Letzgus, Gleichstellungsbeauftragte, Daniela Spitzar, Ortsjugendpflegerin und mir (s.u.).

Viele der Geflüchteten der letzten Jahre sind inzwischen gut in Halstenbek „angekommen“, sie arbeiten in Autohäusern und bei Handwerkern, sind in der Freiwilligen Feuerwehr und bei den Pfadfindern. Manche Frauen legen ihr Kopftuch ab, andere tragen es mit Selbstbewusstsein, da sie sich frei dafür entscheiden können. Manche Handwerksbetriebe sind froh, endlich einen Auszubildenden zu finden. Ein Dachdecker kann sich über einen neuen Mitarbeiter freuen, der bei 37 Grad im Schatten auf dem Dach arbeitet und nichts dabei findet. Eine Frau aus dem Iran, die vor kurzem in Hamburg mit besten Noten eine Ausbildung zur Kosmetikerin absolviert hat, hat leider noch keine Stelle gefunden, da die Arbeitgeber sie nicht mit Kopftuch beschäftigen wollen. Es ist mir völlig unklar, weshalb. Die Frau ist sehr hübsch und gepflegt, unglaublich nett und ist selbst die beste Werbung für ihre Kosmetik. Wer stört sich an dem geschmackvollen Tuch, das ihr Gesicht umrahmt?

Die Arbeitssuche ist auch bei ausgebildeten Geflüchteten schwieriger als vorher gedacht: In den Heimatländern gibt es kaum Ausbildungen mit Abschlusszertifikat wie in Deutschland. Einen Meisterbrief können sie nicht vorweisen, obwohl sie die Kenntnisse haben. Daher suchen auch Menschen mit Mitte Dreißig noch Ausbildungsstellen. Studierte haben es meist einfacher, da sie über Examina verfügen, die anerkannt werden können.

Die Deutschkenntnisse vieler Geflüchteter sind nach den zwei/drei Jahren im Land ausreichend für den täglichen Gebrauch. Behördenpost wird aber noch lange ein Buch mit sieben Siegeln bleiben, wie für viele Deutsche auch. Sie brauchen noch lange Hilfe durch Ehrenamtliche und die Migrationsberatung, um beim Jobcenter oder anderen Behörden keine Fehler zu machen. Die meisten Schulkinder sprechen schon hervorragend Deutsch. Inzwischen gibt es auch für fast alle Familien KiTa-Plätze, so dass die Mütter Sprachkurse besuchen können und ihre Kinder spielerisch ebenfalls die Sprache lernen. Wichtig bleibt jedoch, dass die Kinder ihre Heimatsprache nicht vergessen und auch darin schreiben lernen. Sie brauchen ihre Wurzeln und haben außerdem keine Garantie, dass sie immer hier bleiben können.

Die Wohnsituation hat sich nur bei einigen verändert, da es schon vor der Flüchtlingswelle zu wenig günstigen Wohnraum gab. Die meisten leben noch in Unterkünften der Gemeinde. So teilen sich die meisten Familien schon seit drei Jahren Küche und Bad mit anderen Familien, was zu Unstimmigkeiten führen kann. Auf Dauer zehrt es an den Nerven, die Geflüchteten wünschen sich nichts mehr als eine eigene Wohnung. Sie zahlen an Makler hohe Summen, die sie sich zusammenleihen, nur um eine eigene Wohnung mieten zu können.

Alle Geflüchteten, ob sie vor 60 oder drei Jahren hierhergekommen sind, sind eine Bereicherung für uns. Sie lassen uns über unsere bisherigen Wahrheiten nachdenken, bringen eine besondere Gastfreundschaft und unbekannte Köstlichkeiten mit und sind einfach interessante, liebenswerte Menschen!

Ab dem ersten Advent bis Anfang Januar finden Sie die kleine Ausstellung zu Halstenbeker Fluchtgeschichten: Auf der ersten Seite ist jeweils ein kleines Interview mit der Person zu lesen und Sie können überlegen, wer sich wohl dahinter verbirgt. Auf der Seite darunter sehen Sie dann das Foto und eine kleine Zusammenfassung der Geschichte dieser Person.

Kommen Sie in die Arche Noah und lassen Sie sich überraschen!

Karen Schueler-Albrecht, Diakonieverein Migration

- Sonntag, 2. Dezember (1. Advent) bis
- Sonntag, 6. Januar (Epiphanias) in der Arche Noah